
Zerstörte Technik
aufgenommen am 06.07.2009
F.G. Ludwig
Hört, hört.... Der wahre Grund für die Schließung von Tempelhof!
Noch ein Grund für den Zaun am Flughafen Tempelhof
8.Oktober 1923 - 30.Oktober 2008
Eine Ära geht zu Ende
Am Tage der Schließung des Flughafens Tempelhof zeigte sich das Wetter angemessen: es regnete in Strömen.
Wir danken sehr herzlich Herrn Michael Bindseil für die Genehmigung, das Video
"Der letzte Tag" hier verlinken zu können.
Sehen Sie die derzeit letzten Flüge auf dem Flughafen Tempelhof!
Wieder 700 000 EUR für eine neues Konzept
Flughafen Tempelhof als Rotlichtbezirk?
Jetzt wird Tempelhof zum Millionengrab
Trotz aller Fakten wollte es bislang keiner glauben. Nun wird es amtlich: Die Kosten für den geschlossenen Flughafen Tempelhof können bis zu 14 Millionen EUR pro Jahr betragen - so der Geschäftsführer der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM). Diese Nachricht war am 04.01.2009 in der Berliner Abendschau zu hören. Mehr dazu >
Wie war das mit den Aktivitäten zur Nazizeit?
Der 30.10.2008 ist das endgültige Ende von THF?
Quarantänestation am Flughafen Tegel abgebrannt – beim Sender rbb nur Lagerhalle
Tegel kein Sanitätsflughafen mehr
Alt-Munition auf TXL
Schmiergelder oder Ablösesummen?
Zahlungen der Flughafengesellschaft an Airlines legal oder fragwürdig?
In der Juniausgabe 2010 des Luftfahrtmagazins "roger" wird berichtet, dass mittlerweile - anderthalb Jahre nach der Schließung des Flughafens Tempelhof - bekannt wird, wie die Berliner Flughafengesellschaft (damals BFG) Airlines und andere Mieter im Flughafengebäude mit der Zahlung von hohen Beträgen zum schnellen und vorzeitigen Verlassen von THF "motiviert" hat.
Die fünf- bis sechsstelligen Zahlungen sollen über Sonderkonten oder über Betriebskonten der Flughäfen Tegel oder Schönefeld abgerechnet worden sein. Der vollständige Artikel ist hier nachzulesen.
Dieses Verfahren passt in das gesamte Verhalten der Flughafengesellschaft sowie des Berliner Senats in der Angelegenheit "Schließung von Tempelhof".
Die Frage, die sich hier aufdrängt, ist die nach der Legalität. Waren es Schmiergelder oder sogenannte "Ablösesummen", die im Immobilienhandel nicht unüblich sind. Wenn aber dieser Sachverhalt erst jetzt bekannt wird, weil einige ehemals Beteiligte nun doch "plaudern", scheint es mit der Legalität der Vorgehensweise nicht weit her zu sein.
Es bleibt abzuwarten, was zukünftig noch an Fragwürdigkeiten in Sachen Schließung THF bekannt werden.
Tempelhof: Eröffnungsfeier am 8. Mai 2010
Die Aktivisten formieren sich bereits
Wie aus einem Aufruf der GrünBerlin GmbH hervorgeht, wird am 08. Mai 2010 das Tempelhofer Feld unter dem Motto „Bewegungsfreiheit“ für alle Berliner Bürger/-innen geöffnet. Zur Gestaltung der Eröffnungsfeier werden „Akteure“ gesucht, die „das Motto ‚Bewegung’ kreativ umsetzen“. Es haben sich bereits Akteure gefunden. Ob die aber gesucht wurden, bleibt dahingestellt: „Reclaim Tempelhof“ nennt sich die Gruppe. Hier ihr Programm in Auszügen:
„Den "Volkslauf" morgens 10 Uhr zu blockieren bzw. zu verhindern, sollte sich jede Person schon mal in den Terminplaner eintragen. Auch RECLAIM TEMPELHOF wird an diesem Tag aktiv werden. Angekündigt ist es, denn Zaun weiterhin von allen Seiten und zu jeder Zeit anzugreifen. Da aber "Zaunattacken" ( http://tfa.blogsport.de/category/kiez-entwicklung/) nur ein Weg des Protests sind, überspringte RECLAIM TEMPELHOF das Anmeldeverfahren der Grün Berlin GmbH und kündigt an, ebenfalls als Akteur_innen am 8. Mai aufzutreten. Zahlreiche Ideen werden spontan umgesetzt, angefangen von Guerrilla-Gardening bis Häuserbau. Des Weiteren wird es eine Sondervollversammlung auf dem Tempelhofer Feld (Ort wird noch bekannt gegeben) geben, um sich gemeinsam auf die "Schließzeit" vorzubereiten. Geplant ist viele Menschen dazu zu bewegen, die Nacht auf Tempelhof zu verbringen. Mit Schlafsäcken, Zelten, Bauwägen und Häusern wird sich auf dem Tempelhofer Feld niedergelassen, um sich auf eine lange Nacht vorzubereiten. Niemensch wird um 22 Uhr das erstmal geöffnete Feld wieder freiwillig verlassen.“
Auf verschiedenen Websites wird für diese Aktivitäten geworben. Man kann davon ausgehen, dass es wieder recht turbulent zugehen wird.
Übrigens, die GrünBerlin GmbH ist ein landeseigenes Unternehmen. Die Aufsichtsratsvorsitzende ist Maria Krautzberger, Staatssekretärin in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Auch Heinz Buschkowsky, Bezirksbürgermeister von Neukölln, sitzt mit im Aufsichtsrat.
Ach ja, der Zaun wird bleiben! Wachschutz auch und ein Park-Guide kommt noch dazu!
Tempelhof für alle
Unter diesem Titel meldete die Berliner Abendschau am 27.08.2009, dass "Tempelhof für alle zugänglich wird. Der Zaun wird aufgemacht, um den so lange gestritten wurde." Die Sprecherin der Senatverwaltung für Stadtentwicklung, Manuela Damianakis, antwortet auf die Frage, weshalb nun plötzlich alles so einfach ginge, freudestrahlend: "Weil wir am 1. September Eigentümer dieses gesamten Areals des ehemaligen Flughafens Tempelhof sind!"
Was bedeutet das ?
1. Der Kaufvertrag ist vollzogen worden. Das Land Berlin hat die Bundesanteile am Flughafen Tempelhof der Bundesregierung für 35 Mio. EUR abgekauft.
2. Die Entwidmung des Flughafens Tempelhof ist am 18.08.2009 rechtskräftig geworden. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte an diesem Tag die Beschwerde eines Einzelklägers abgewiesen, die dieser gegen die Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin am 17.12.2008 eingelegt hatte.
Die Folgen: Das Land Berlin ist nicht nur alleiniger Eigentümer des Areals, es muss auch ab sofort für die Betriebskosten aufkommen. Selbst wenn der Bund noch für die nächsten 10 Jahre sich an der Beseitigung der vielfach vermuteten Altlasten auf dem Gelände mit 90% beteiligen wird, kommen auf den Berliner Steuerzahler Kosten in nicht berechenbarer Höhe zu.
Und Tempelhof für alle? Am 31.08.2009 will die Stadtentwicklungssenatorin in einer Pressekonferenz das neue Öffnungskonzept vorstellen. Klar ist aber heute schon: Das Gelände wird eingezäunt bleiben. Es soll nur tagsüber geöffnet werden und die für den Naturschutz relevanten Bereiche sowie das Gelände des Wetterdienstes bleiben abgesperrt - so die Berliner Morgenpost vom 29.08.2009.
Die unvollständige und irreführende Informationspolitik des Berliner Senats wird fortgesetzt.
Die Versprechen des Senats vor dem 27.04.2008 und die Realität: Der Zaun ist immer noch da!
In der „Amtlichen Information zum Volksentscheid“ am 27.April 2008 – die Broschüre hat jeder Berliner Haushalt erhalten - verspricht der Senat auf der Seite 14:
„Mit der Beendigung des Flugbetriebs in Tempelhof im kommenden Herbst wird das Tempelhofer Feld schrittweise wieder für die Stadt und die alltägliche Nutzung geöffnet.“
Über acht Monate sind vergangen, doch nicht einmal der „erste Schritt“ ist getan! „Der Zaun bleibt vorerst stehen“ titelt der Tagesspiegel am 01.07.2009. Die Forderungen von Teilen der Berliner Bevölkerung, die den Versprechungen des Senats geglaubt haben, begegnet Senatsprecher Richard Meng mit der Bemerkung, das ist „aus Sicht des Senats eine alberne Diskussion“. Na, bitte, Berliner und Berlinerinnen, nun wissen Sie es genau!
Auf der Seite 13 der o.g. Broschüre verspricht der Senat „Einen Landschaftspark und neues Familienwohnen mitten in der Stadt“. Dann wollte Herr Wowereit aber eine Landesbibliothek dort bauen lassen. Das war dann selbst den eigenen Parteigenossen zu viel. Und der neue Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) sagt auch nein – es fehlt das Geld.
Noch eine Aussage aus der Broschüre, ebenfalls S. 13:
„Bereits seit Mitte der 90 Jahre wird die Nachnutzung des Flughafens Tempelhof vorbereitet“ Richtig: vgl. hierzu Nachnutzung.
Doch nun kommt man endlich zur Sache: Für 700 000 EUR ist die Adlershof Projekt GmbH mit der Entwicklungsplanung beauftragt . Planungszeit: ca. 6 Monate! Vgl. hierzu den Beitrag „Wieder 700 000 EUR für eine neues Konzept“ weiter unten auf dieser Seite.
Der Zaun wird offensichtlich noch eine Weile stehen bleiben.

Zerstörte Technik
aufgenommen am 06.07.2009
F.G. Ludwig
35 Millionen EUR Kaufpreis – nun wird das gute Stück besetzt
Ende 2007 sagte Wowereit, der Wert für Tempelhof liege bei null!?
Es hat wohl nichts genutzt. Das lange Taktieren und Verhandeln, die vielen öffentlichen Versicherungen von Herrn Ex-Senator Sarrazin und Herrn Wowereit: die Bundesanteile am Flughafen Tempelhof werden für 35 Mio. EUR gekauft. Mit erheblicher Verspätung haben das Land Berlin und der Bund einen Kaufvertrag ausgehandelt, der allerdings vom Abgeordnetenhaus Berlin und dem Haushaltsausschuss des Bundestages noch abgesegnet werden muss.
Berlin kann zwar als Eigentümer über das Objekt verfügen, muss dann aber die laufenden Unterhaltskosten allein tragen. Die dadurch entstehende finanzielle Belastung wird auf 450 Mio. EUR geschätzt. (Tagespiegel vom 10.06.2009)
Nun mag zwar die Eigentumsfrage in absehbarer Zeit endgültig geregelt sein, die Frage der fehlenden Nachnutzungskonzepte und die der Schließung vorangegangenen Versprechungen (siehe Nachnutzung) gegenüber der Berliner Bevölkerung haben nun dazu geführt, dass linksautonome Gruppen am 20.06.2009 eine Initiative zur Besetzung des Flugfeldes planen.
Die Initiative „Squat-Tempelhof“ will mit einer sog. „friedlichen Zaunübersteigung“ eine öffentliche Nutzung des Geländes einfordern. Unterstützung erfahren die Gruppen durch die Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN, Franziska Eichstädt-Bohlig und die “Jusos“.
Das Dilemma: Der Flughafen ist noch nicht entwidmet und stellt somit ein Gefahrenbereich dar. Die Polizei ist dazu verpflichtet, die Zaunübersteigung zu verhindern und hat entsprechend vor der Besetzung gewarnt. (Berliner Morgenpost v. 16.06.2009)
In der Berliner Abendschau vom 16.06.2009 kritisierte Herr Wowereit das Statement von Frau Eichstädt-Bohlig sehr scharf und warf ihr Aufruf zu Straftaten vor. Die Ankündigung der Jusos, sich an der Besetzung beteiligen zu wollen, bezeichnet SPD-Landesvorsitzender Müller als „völlig daneben“. Man darf gespannt sein!
Die neueste Kostensteigerung für den Steuerzahler
BSR will das Flughafengelände nicht mehr als "Sondergelände" anerkennen
Wie den Berliner Tageszeitungen vom 09.01.2009 zu entnehmen ist, gibt es einen neuen Faktor der Kostensteigerung für den geschlossenen Flughafen Tempelhof: Die Berliner Stadtreinigung (BSR) verlangt nach der Entwidmung des Flughafengeländes statt 178 000 EUR nun 1,05 Mio. EUR. Das wären 872 000 EUR pro Jahr mehr. Fast eine Million EUR!
Allerdings: Der Flughafen Tempelhof ist zwar geschlossen, er ist aber immer noch nicht entwidmet, da die Beschwerde des Einzelklägers gegen die Schließung Tempelhofs noch beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig liegt!
Herr Lemiss, der Geschäftsführer der BIM (Berliner Immobilienmanagement) sagt dazu, es wäre das gute Recht der BSR diesen Betrag zu fordern. Er meint jedoch, das Flughafengelände sei immer noch ein "Sondergelände". Nun muss wieder eine Behörde über diesen Streit entscheiden. Wie dieser Streit auch ausgehen mag, vermutlich in Form eines Kompromisses, es werden weitere Steuergelder fällig!
Erinnern wir uns:
Solange der Flughafen Tempelhof in Betrieb war, wurde er von der Berliner Flughafengesellschaft verwaltet. Die immer wieder genannten 10 Mio. EUR Verlust pro Jahr entstammten nicht dem Flugbetrieb, sondern dem Leerstand der Gebäude. Interessenten wurden keine längerfristigen Mietverträge gewährt, denn man wollte ja so schnell wie möglich aus der Verantwortung. Aber: die Verluste hat zu keiner Zeit der Steuerzahler getragen.
Nach der Schließung liegen die Unterhaltskosten nach Aussagen von Herrn Lemiss bei ca. 14 Mio. EUR. Davon trägt der Bund noch den größten Anteil - bis zum Kauf der Bundesanteile am Flughafen Tempelhof. Der Kaufpreis liegt bei 40 Mio. EUR (siehe nachfolgenden Artikel).
Danach fallen die Unterhaltskosten vollständig an das Land Berlin, d.h. die Kosten werden in voller Höhe aus Steuermitteln beglichen.
40 Millionen Euro für die Bundesanteile am Flughafen Tempelhof
Unser Finanzsenator hat gegen unsere Senatorin für Stadtentwicklung verloren. Sie hatte Tempelhof auf der Internationalen Immobilienmesse angepriesen, er meinte es sei kein Filetstück, und wenn doch, "dann schauen schon die Maden raus!" 40 Millionen - das klingt nicht nach Gammelfleisch. Und das Geld ist nicht vorhanden. Der Doppelhaushalt 2008/09 hat keine Beträge für Tempelhof vorrätig: weder für den Ankauf der Bundesanteile, noch für die Unterhaltskosten. Nun, dann werden es eben die Großveranstaltungen wie das "Pyromusikale, das weltgrößte Festival der Musikfeuerwerke" und die vielen Mieter der Kerativwirtschaft richten! Mehr hierzu können Sie in der "Berliner Morgenpost" lesen!
Schauen Sie in diesem Zusammenhang auch auf die Schuldenuhr!
Ein Goodbye-Dinner zum Abschied
Wie war das mit der Sicherheit?
Das hatte sich die Flughafengesellschaft sicherlich anders vorgestellt. Statt feierlichem Gedenken mit Lachs in Orangen, Hirschkeulenbraten in Calvados-Rahmsauce und Pariser Schokoladen-Tarte gab es Buhrufe und Pfiffe für den Regierenden Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzenden der Flughafengesellschaft FBS, Klaus Wowereit. Von den 850 geladenen Gästen erschien nach dem Bericht der "Berliner Zeitung" vom 01.11.2008 weniger als die Hälfte. Die geladenen Mitglieder der IHK Berlin sind der Gala ferngeblieben..
Während man in der Haupthalle "feierte", protestierten Tempelhof-Befürworter lautstark im strömenden Regen auf dem Platz vor der Haupthalle. Trotz Nässe und Kälte hielten sie bis zum Schluss durch.
Klaus Wowereit’s Ende der Abschieds-Gala
"In der Halle jagen die Journalisten jedem Gerücht nach und warten auf Vorfälle. Doch es bleibt ruhig. Klaus Wowereit macht sich zur Flucht bereit. Ohne Aufsehen und mit schnellen Schritten flüchtet er. Anders als bei seinen üblichen Partys und Empfängen wird dies ein blamabler Abgang für den "Tempelhof-Mörder", wie er von vielen der Gäste bezeichnet wird. Auf dem Rollfeld ist die Situation kurz vor der Eskalation. Die Mitarbeiter sehen den Bürgermeister bei seiner Flucht über das Vorfeld und treten ihm mit schallendem Buhen und Pfiffen entgegen. Das Sicherheitspersonal ist in die Enge getrieben. Mit quietschenden Reifengeräuschen flieht er und kann sich zu Hause seines "Sieges" freuen."
Aus den Beobachtungen eines Insiders "roger", Ausgabe Dezember 2008
Mit einer Abschiedsrede wollte Klaus Wowereit die Schließung des Flughafens noch einmal verteidigen. Dabei sprach er auch von Sicherheitsaspekten. "Wir haben Glück gehabt, dass nichts passiert ist in den 85 Jahren." Reaktion der geladenen Gäste: Buhrufe. Nachzulesen im "Spiegel" vom 31.10.2008.
Wörtlich sagte Klaus Wowereit: "Es ist nicht nur aus Sicherheitsgründen, auch aus ökologischen Gründen aus meiner Sicht richt, dass dieser Flugbetrieb hier eingestellt wird." (Nachzuhören im Video der Sendung rbb Aktuell vom 30.10.2008: www.rbb-online.de )
Der Geschäftsführer der Berliner Flughäfen, Dr. Rainer Schwarz, gibt mit seiner Rede einen Abriss der Geschichte Tempelhofs. Betonung erfahren dabei die Aktivitäten in der Nazizeit.
Herr Wowereit begründet die Schließung von Tempelhof in der „Tagesschau“ vom 30.10.2008 wie folgt:
„Es ist vernünftig, aus Sicherheitsgründen, aus ökologischen Gründen und wir schauen in die Zukunft, nicht nur nach hinten, sondern nach vorne. Der Großflughafen Berlin Brandenburg International wird gebaut als Single-Standort und deshalb müssen die innerstädtischen Flughäfen auch zugemacht werden.“
Bleibt die Frage offen: Warum wird Tempelhof vorzeitig geschlossen?
Die Sicherheit in Tegel wird zunehmend gefährdet. Die größte Gefahr besteht auf dem Boden beim Abrollen der Maschinen, denn Tegel ist bereits überlastet.
Die ökologischen Auswirkungen der vorzeitigen Schließung Tempelhofs sehen so aus:
Die Maschinen der General Aviation landen in Tegel, lassen die Passagiere aussteigen und fliegen nach Schönefeld zum Parken, denn in Tegel gibt es nur zwei Stellplätze für die kleinen Maschinen der General Aviation. Wenn die Passagiere Berlin wieder verlassen wollen, starten die Maschinen in Schönefeld, fliegen Tegel an, nehmen ihre Passagiere wieder auf und starten zum Heimatziel. Das heißt, statt der zwei Flugbewegungen (Landung/Start) jetzt sechs Flugbewegungen (zusätzlicher Hin- und Rückflug Tegel - Schönefeld). Damit wird zusätzlich Kerosin über Berlin verbraucht. Da aber jede Flugbewegung kostenpflichtig ist, freut sich die Flughafengesellschaft, denn die Einnahmen steigen. Und Einnahmen braucht man für den Ausbau von BBI!
Wer sich schon einmal die Mühe gemacht hat, das Terminal der General Aviation in Schönefeld auf der Baustelle des BBI zu besichtigen, versteht, warum Geschäftsleute, die in Berlin für Arbeitsplätze sorgen, nicht in Schönefeld landen. Die Anfahrt nach Berlin ist nicht 10 Minuten länger als von Tempelhof, wie von verschiedenen Politikern behauptet wird. Bei ungünstiger Verkehrslage kann sie mehr als eine Stunde länger sein. Da wäre schnell ein Termin verpasst.
Aber diese Fakten spielen offensichtlich keine Rolle – zum Schaden des Wirtschaftsstandorts Berlin!
Herr Wowereit hat gesagt, wir haben Glück gehabt mit Tempelhof.
Nach dem Ende der Luftbrücke gab es einen einzigen Flugzeugunfall mit einem Privatflugzeug.
In den ersten acht Wochen des Jahres 2008 gab es in Berlin bereits elf Verkehrstote. In den Jahren 1992 bis 2006 wurden auf dem Flughafen Tempelhof 744.966 Starts und Landungen gezählt. In diesem Zeitraum (14 Jahre) gab es einen Flugzeugunfall am 24.05.2001 mit einem privat genutzten Flugzeug. Die beiden Flugzeuginsassen überlebten den Absturz nicht. Anwohner kamen nicht zu Schaden. Die Untersuchung des Flugzeugunglücks ist von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung vorgenommen worden. Der Untersuch-
ungsbericht kann unter www.bfu-web.de nachgelesen werden. Die Behörde hat keine Sicherheitsmaßnahmen gefordert, d.h. der Flughafen Tempelhof entspricht den Sicherheitsbestimmungen.
In den Jahren 1993 bis 2007- ebenfalls 14 Jahre - sind auf den Berliner Straßen 1.434 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. (www.berlin.de/polizei)
Anders jedoch am Flughafen Schönefeld:
In der Sitzung des Berliner Abgeordnetenhauses vom 06.06.1996 äußert der PDS-Abgeordnete Dr. Kaczmarczyk zur Sicherheitsfrage: "Schönefeld hat eine Bilanz von über 250 Toten in 40 Jahren zu verzeichnen."
(Man kann vermuten, dass Herrn Wowereit diese Zahlen auch bekannt geworden sind.)
Hier die Daten im Detail:
14. August 1972 In einer Iljuschin 62 der Interflug mit 148 Urlaubern bricht kurz nach dem Start vom Flughafen Schönefeld Feuer aus. Beim Rückflug explodiert die Maschine über Königs Wusterhausen. 156 Menschen sterben, niemand überlebt.
12. Dezember 1986 Beim Absturz einer Tupolew 134A der sowjetischen Fluggesellschaft Aeroflot nahe dem Flughafen Schönefeld sterben 72 Menschen.
17. Juni 1989 Eine Iljuschin 62 der Interflug schießt beim Starten über die Landebahn hinasu und gerät in Brand. 21 Menschen sterben, 54 werden verletzt. (Berliner Morgenpost vom 16.12.2007)
Und wie ist es mit dem Nebel in Schönefeld? Piloten kennen sich bestens aus: Während Tegel und Tempelhof noch gute Sichtweiten haben, hängt der Nebel tief über dem Flughafen Schönefeld. Zuletzt gemeldet am 02.11.2008!
Und wie steht es mit der Sicherheit in Tegel?
Bereits Anfang August 2008 warnt die Pilotenvereinigung Cockpit vor "Runway Incursions". Das sind Vorfälle, bei denen sich Flugzeuge oder Personen unberechtigt auf einer Start- oder Landebahn aufhalten. Der Sprecher der Pilotenvereinigung bezeichnet diese Vorfälle als "Unfallthema Nummer Eins" (Tagesspiegel vom 06.08.2008). Im Juli diesen Jahres gab es einen kritischen Vorfall mit einem Airbus.
Um die Sicherheit zu erhöhen, verfolgen die Fluglotsen jetzt die Piloten bis zum Stillstand der Maschine. Früher hatten die Fluglotsen sich gleich um die nächste zur Landung ansetzenden Maschine gekümmert, nachdem das gelandete Flugzeug die erforderlichen Hinweise zur Abstellposition bekommen hatten. Dass dieses Verfahren zu einer zusätzlichen Belastung der Fluglotsen führen muss, ist auch dem Laien einsichtig. Zusätzlich hat die Flugsicherung die Piloten angewiesen, "nach der Landung in Tegel besonders aufzupassen". (Tagesspiegel vom 07.08.2008) Außerdem werden "Stopbars", das sind in den Boden integrierte rote Lichterketten , eingebaut. Diese Stopbars dürfen nicht überfahren werden, wenn sie aufleuchten.
Von einer kritischen Situation will der Senat aber nichts wissen. Eine Arbeitsbelastung der Fluglotsen ist dem Senat nicht bekannt.
Was geschieht mit "Christoph Berlin" - dem Intensiv-Transport-Hubschrauber?
Seit 1995 war auf dem Flughafen Tempelhof der Intensiv - Transport - Hubschrauber "Christoph Berlin" (bis 2005 hieß er ITH Berlin) stationiert. Dieser Rettungshubschrauber ist eine fliegende Intensivstation für Notfall- und intensivpflichtigen Patieten. Er wurde in Kooperation mit der Berliner Feuerwehr, dem Arbeiter - Samariter - Bund , dem Klinikum Benjamin Franklin betrieben. Am 28.07.2008 meldet die "Berliner Morgenpost", dass auf dem Dach des Unfallkrankenhauses Berlin (UKB) in Marzahn ein neuer Hubschrauber - Landeplatz errichtet werden soll. Ein Hangar für diese Maschine soll allerdings erst im April 2009 fertiggestellt werden. Die mit der Bauausführung beauftragte Firma hat die Kosten mit "etwa fünf Millionen EUR" veranschlagt.
Der Plan, den Intensiv -Transport -Hubschrauber nach Marzahn zu verlegen, hat unter den Anwohnern des Unfall-Krankenhauses nicht gerade Begeisterung ausgelöst. Schließlich rechnet man mit der doppelten Anzahl der Flüge als bislang - und das waren ca. 900 Flugbewegungen im Jahr. Hinzu kommt die Störung der Nachtruhe. Als Folge der Anwohnerproteste müssen Auflagen der Luftfahrtbehörde eingehalten werden und Schallschutzfenster sowie Belüftungsanlagen in Patientenzimmer der benachbarten Vivantes-Klinik und an einem Wohngebäude eingebaut werden. Außerdem werden in den nächsten zwei Jahren die Flugbewegungen kontrolliert. Sollten es mehr als 3000 pro Jahr sein, muss ein neues Lärmgutachten erstellt werden. In Anbetracht der Vereinbarung zur Luftrettung zwischen den Ländern Berlin und Brandenburg aus dem Jahr 2004 ist Berlin verpflichtet, im näheren Umkreis Rettungsflüge auszuführen, kann man davon ausgehen, dass die Flugbewegungen am UKB durch die Stationierung von "Christoph Berlin" deutlich erhöhen werden. Der nächste Intensiv - Transport - Hubschrauber ist in Senftenberg in der Niederlausitz stationiert, Wie sicher ist daher der Standort UKB?
Seit dem 28.10.2008 ist der Intensiv - Transport - Hubschrauber auf der Dachkonstruktion am UKB stationiert. Im Forum (Notfallrettungsdienst - ITH) der Berliner Feuerwehr sind besorgte Anfragen von Beteiligten zu lesen. Die Sorge scheint auch dem Laien berechtigt: Kann man ein medizintechnisch so hochwertig ausgestattetes Fluggerät im Winter auf einem Dach stehen lassen? Die Rettungsmannschaft muss also bei jedem Winterwetter die Maschine im Freien besteigen. In Tempelhof stand sie geschützt im Hangar. Was geschieht, wenn die Maschine vereist ist?
Nachtrag vom 15.07.2009:
Die Berliner Abendschau meldet am 14.07.2009, dass der Hangar für den Intensiv-Rettungs-Hubschrauber "Christoph Berlin" eingeweiht worden ist. Kosten: 8 Mio. EUR! Nachzulesen auch in der Berliner Morgenpost vom 15.07.2009.
Mit dreimonatiger Verspätung und einer mehr als 60 %-igen Kostensteigerung ist der Hangar fertiggestellt worden.
Übrigens: Der Thread im Forum der Berliner Feuerwehr ist abgebrochen worden.
"Das Nachsehen hat der Steuerzahler"
Reaktionen der Berliner auf die Flughafenpolitik des Senats
In der November-Ausgabe der "Berliner Wirtschaft" , dem Magazin der IHK - Berlin weist der Chefredakteur Holger Luhnau im Editorial auf die fragwürdige Vorgehensweise des Berliner Senats bei der Schließung des Flughafens Tempelhof hin. Er verweist auf die jährlichen Unterhaltskosten von 11,9 Millionen EUR, so die Berechnung des Bundesfinanzministeriums. Dabei muss das Land Berlin aufgrund des Sondervertrags zur Hauptstadtfinanzierung auch noch die Bundesanteile erwerben. Welche tatsächlichen Kosten auf den Steuerzahler zu kommen werden, ahnt noch niemand. Großartige Pläne gehen um, auch die Nachnutzung als "Weinberg" für den "Tempelhofer Trollinger" (vgl. Berliner Zeitung vom 13.11.2008) ist jetzt im Gespräch. Denkt hier jemand an die Bodenverseuchung und die vergrabenen Altlasten?
Noch gibt es Berliner, die nicht resignieren und die kommende Schuldenlast auf sich nehmen wollen.
Ein Berliner Diplom-Kaufmann hat auf den Beitrag von Herrn Luhnau reagiert und macht das folgende Angebot: Lesen Sie hier>>
Sogar Menschen aus anderen Bundesländern, die sich mit dem komplexen Geschäftsbereich "Flughafen" auskennen, fragen sich, wie das Land Berlin diese Wirtschaftsfaktoren so einfach in ein anderes Bundesland verlagern konnte. Denn diese Menschen wissen: es sind nicht nur die Einnahmen aus dem Flugbetrieb, es sind die Non-Aviationfelder vom Schnellimbiss über den Souvenirladen bis zur Luxusboutique. Diese haben wieder Zulieferer, deren Einnahmen in keiner Weise in den Büchern der Flughafengesellschaft auftauchen. Arbeitsplätze schaffen auch die um BBI angesiedelten Gewerbe - auch diese Steuereinnahmen gehen nicht in die Bücher der FBS ein. Im Klartext: Ein Flughafen zieht viele Aktivitäten nach sich, deren Einkünfte aber im Land Brandenburg versteuert werden, nicht aber in Berlin. Der Anteil Berlins an den direkten Einnahmen aus dem Flugbetrieb beträgt lediglich 37 % der Gesamteinnahmen. Nun hat einer dieser Insider beim Regierenden Bürgermeister von Berlin mal nachgefragt, wo denn die Einnahmen wie Steuern, Gebühren, Mieten, Eintrittspreise, Merchandising-Erlöse etc. verbleiben. Und die Antwort war verblüffend einfach: Die Fragestellung wurde "als nicht zielführend" eingeordnet. Dann aber noch mit dem Hinweis ergänzt:
"Während ein großer Teil der Steuern, die im Zusammenhang mit dem Flughafen Berlin-Brandenburg International stehen, im Land Brandenburg bleiben werden, ist jedoch in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass sowohl viele Beschäftigte des Flughafens BBI als auch Fluggäste in Berlin wohnen werden. Insbesondere werden auch die Ausgaben, die von Touristen getätigt werden, vor allem Berlin zufließen."
Zitat aus einem Schreiben der Senatskanzlei von Berlin vom 20.11.2008
Nun wissen wir Berliner aber, wie es um die Vergabe der Arbeitsplätze im ehemaligen Ostteil unserer Stadt und im Brandenburgischen steht. Und wer tatsächlich einen Arbeitsplatz in Schönefeld gefunden hat, wird sich den Dauerstau - der tagtäglich über unseren Verkehrsfunk gemeldet wird - ersparen, in dem er in den Speckgürtel zieht.
Wenn mit den Steuern der Touristen spekuliert wird, dürfen aber die Bahn-, Bus- und Pkw-Reisenden nicht vernachlässigt werden. Und diese Gruppe stellt immer noch die größte Besucherzahl!