Stimme aus Brandenburg

Auch Brandenburger Politiker haben der Berliner Bevölkerung mitgeteilt, wie sie sich beim Volksentscheid zu Tempelhof zu verhalten haben.
Potsdam: Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am 25.04.2008:
"Wem die heutige Situation der Region am Herzen liegt, der muss einsehen, dass die Konzentration des Flugverkehrs auf den Großflughafen Berlin-Brandenburg International sinnvoll, unvermeidlich und rechtlich geboten ist" Eine Schließung des Flughafens Tempelhof sei nötig, alles andere wäre mit "zum Teil unkalkulierbaren Risiken behaftet."
(zitiert nach: Tagesspiegel vom 26.04.2008)

Merke: BBI liegt im Land Brandenburg. Die Brandenburger haben sich gegen die Fusion mit dem Land Berlin ausgesprochen. Alle Steuergelder, die am Standort BBI eingenommen werden, fließen in die Staatskasse des Landes Brandenburg!
Gewinne aus dem Flugbetrieb erhält das Land Berlin lediglich über seine Beteiligung (37 %) an der Flughafengesellschaft.
Die Kosten für den Ausbau von Schönefeld erwirtschaftet der Flugbetrieb in Tegel!

Oberbürgermeister von Augsburg und Mannheim protestieren gegen THF-Schließung

Im Juli 2004 hat der Oberbürgermeister von Mannheim, Gerhard Widder (SPD) in einem Schreiben an 54 Europa-, Bundestags- und Landtagsabgeordnete dazu aufgerufen, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um die vom Berliner Senat beabsichtigte Schließung von Tempelhof zu verhindern. Zuvor hatte der Augsburger Oberbürgermeister, Paul Wengert (SPD), in einem Brief an Klaus Wowereit die Offenhaltung Tempelhofs gefordert.
Als Begründung wurde die große Nutzung der Flugstrecken Berlin-Mannheim bzw. Berlin-Augsburg, vor allem durch Geschäftsreisende genannt.
Wowereit begründete die Schließung von Tempelhof mit dem negativen Betriebsergebnis.
(Berliner Morgenpost vom 14.07.2004)
Merke: Nach dem Umzug der Lufthansa nach Tegel und den ständigen Schließungserklärungen, insb. nach dem Amtsantritt von Klaus Wowereit 2001, hatte Tempelhof tatsächlich einen Rückgang des Passagieraufkommens zu verkraften. Doch 2005, nachdem die privaten Fluggesellschaft erfolgreich gegen die für Oktober 2004 beabsichtigte Schließung geklagt hatten, stieg 2005 das Passagieraufkommen wiederum um 23,6 % gegenüber dem Vorjahr. Und der Finanzsenator gibt in einer Presseerklärung bekannt, dass im Jahr 2004 „ein positives Gesamtergebnis von 13,6 Mio. EUR“ erwirtschaftet worden ist.

Mehr zu den Zahlen hier.

Mit der Schließung Tempelhofs wird Volksvermögen vernichtet

In einem Interview vom April 2008 mit der „Welt am Sonntag“ hat der Ex-Chefpilot der Lufthansa , Robert Salzl, zum einen auf die Notwendigkeit der Trennung von Linienflugverkehr und der Geschäftsfliegerei hingewiesen. Die kleinen und langsameren Flugzeuge der General Aviation benötigen größere Sicherheitsabstände zu den großen und schnelleren Maschinen des Linien-/Charterverkehrs. Dadurch verlängern sich an einem Flughafen die Flugzeiten und es kommt zu einer Erhöhung der Auspuffgase. Die Flugsicherung muss die Maschinen in Warteschleifen einordnen, bis sie zur Landung ansetzen können. „Wenn Tempelhof zumindest für die Business Aviation, Ambulanzflug und den kleinen Geräten der Flugbereitschaft offengehalten wird, leistet dieser Flughafen einen aktiven Beitrag zur Umweltentlastung“  so Robert Salzl.

Auf die Frage, wie sich die Business Aviation aus seiner Sicht entwickeln wird, antwortet Salzl: „Sie wächst doppelt so stark wie der normale Linienflugverkehr. Deshalb kann man der Berliner Flughafen Gesellschaft nur rate, die Kapazitäten von Tempelhof zu bewahren. Denn wenn ich einen funktionstüchtigen, zugelassenen Flughafen habe, wird angesichts der zukünftigen Bedarfsentwicklung Volksvermögen vernichtet, wenn man ihn jetzt schließt.“

(www.welt.de)

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Am Flugfeld

aufgenommen: 02.05.2009

F.G.Ludwig

„Aquadraht“ – der fleißige Poster und Blogger oder verdeckte PR-Arbeit für die Ziele des Senats?

In der hitzigen Debatte um die Offenhaltung des Flughafens Tempelhof gab es in den verschiedenen Internetforen einen Aktivisten, der stets zur Stelle und immer bestens informiert  war: „aquadraht“ oder auch „a²“ geschrieben. Beeindruckend waren die Kenntnisse, die eigentlich nur auf Senatsebene bzw. der Berliner Flughafengesellschaft hätten bekannt gewesen sein können. Doch mit dem Tag des Volksentscheids, dem 27.04.2008, war von aquadraht nichts mehr zu lesen, obwohl die Diskussion um den Flughafen Tempelhof bis heute nicht beendet ist. Wo war dieser fleißige, allwissende Poster geblieben?

Eine Suche im Internet ergab ein interessantes Profil von ihm. Hier eine Auswahl seiner Aktivitäten im Netz.

Als im Mai 2009 bekannt wurde, dass die Deutsche Bahn AG mit Hilfe von Agenturen Internet-Foren manipuliert hat, stellte sich wieder die Frage nach der Rolle von aquadraht. Und diese Frage haben sich auch andere gestellt. Auf der Website „ Infoportal - Gedanken zur Zeit“ sind Beiträge zu aquadraht zu finden, die den Verdacht bestätigen, dass er im Rahmen der Tempelhof-Debatte   eine bezahlte Auftragsarbeit ausgeführt hat.

Meinungen aus Politik und Wirtschaft zur Tempelhof-Frage

Pro Schließung

Contra Schließung

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit:
"Würde man entgegen der Politik aller Berliner Senate seit 1996 versuchen, Tempelhof jetzt doch offenzuhalten, dann wäre der begonnene Bau des Großflughafens BBI gefährdet. Denn die zusätzliche Belastung für die Bevölkerung rund um BBI ist nach höchstrichterlichen Urteilen nur akzeptabel, wenn die Flughäfen Tegel und Tempelhof geschlossen werden. Würde auf die Schließung verzichtet, dann droht beim Großflughafen ein Baustopp."
(Auszug aus dem "Aufruf des Regierenden Bürgermeister zu Tempelhof- Volksentscheid" vom 25.04.2008)

Merke: Es ging beim Volksentscheid nicht um die Offenhaltung von Tempelhof und Tegel, es ging nur um Tempelhof! Der überwältigende Anteil am Flugverkehr läuft über Tegel, nicht über Tempelhof! Das Argument war nicht stichhaltig und entsprach nicht dem Inhalt des Volksbegehrens.

Dieses Argument wurde noch ausgeschmückt mit der Drohung, dass

  • durch einen Baustopp 40.000 Arbeitsplätze verloren gingen
  • der Bau gänzlich gestoppt werden würde und dadurch eine Milliardenschaden durch die Verluste durch den Grundstückserwerb und bereits getätigten Investitionen in Höhe von 825 Millionen Euro entstehen würde.

(Claudia Hämmerling, Bündnis 90/Die Grünen,  in einer Pressemitteilung vom 18.01.2008)

Der Landesvorsitzende der Partei Die Linke, Klaus Lederer:
Auf  einem Landesparteitag  der Partei Die Linke am 19.04.2008 forderte der Landesvorsitzende Klaus Lederer :"Stimmen Sie mit Nein!" Denn: bei dem Entscheid drehe es sich vor allem um die Frage, ob die Stadt eine so riesige Fläche wie das Tempelhofer Feld privaten Interessen zur Verfügung stelle oder sie für möglichst breite Kreise der Bevölkerung nutzbar mache.  
(zitiert nach: Welt Online vom 26.04.2008)

Merke: Der Linkspartei ging es vorrangig um die Nutzung des Flughafenareals:
nicht für Privatinteressen sondern für "möglichst breite Kreise der Bevölkerung"!

Aus den Argumenten des Abgeordnetenhauses von Berlin
(Fraktionen der SPD/Die Linke/Bündnis 90/Die Grünen):
Die politische Aussage von Klaus Lederer kommt in der Broschüre "Amtliche Information zum Volksentscheid", die alle Berliner Abstimmungsberechtigten mit den Abstimmungsunterlagen zum Volksentscheid erhalten haben, voll zum Tragen:

"Es widerspricht darüber hinaus jeder sozialen Vernunft, ein derart großes Areal in der Innenstadt ausschließlich für wenige Geschäfts- und Privatflieger zu reservieren. Das Berliner Abgeordnetenhaus will, dass die Menschen das Gelände des Flughafens nicht länger durch den Zaun betrachten müssen, sondern nutzen können.
Bereits jetzt sind Teile des Geländes eine wichtige Frischluftschneise für die Innenstadt. Neben einem großen Park der Luftbrücke wollen wir schnell neue Sportflächen schaffen. Fußball, Basketball, Tennis, Joggen, Skaten, Radfahren, Drachensteigen, Beachvolleyball - für all das ist auf dem Gelände Platz."
(Auszug aus: Argumente des Abgeordnetenhauses)

Weitere Beispiele
Eine Presserklärung von Bündnis 90/Die Grünen vom 06.12.2007 trägt die Überschrift:
"Volksbegehren für Flughafen Tempelhof ist Volksbetrug"
Dieselbe Partei titelt am 17.04.2008:
"Gier nach Jet-Set-Privileg schaltet den Verstand aus"

Wirtschaft warnt vor der Schließung von Tempelhof
Bereits im Dezember 2003 hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie der Verein Berliner  Kaufleute und Industrieller (VBKI) die Flughafengesellschaft Berlin Schönefeld (FBS) und deren Tochtergesellschaft BFG aufgefordert, den Schließungsantrag für Tempelhof zurückzunehmen, weil die Anträge "Betriebswirtschaftlich kurzsichtig, verkehrspolitisch unverantwortlich und auch rechtlich nicht begründet" seien. (Berliner Morgenpost vom 03.12.2003).

Berliner SPD- und PDS-Politiker halten Schließung für unverant-
wortlich
Anfang April 2004 haben sich die EU-Abgeordneten Dagmar Roth-Berendt (SPD) und Hans Modrow (PDS) zu den Schließungsabsichten des Flughafens Tempelhof geäußert. Gemeinsam mit dem EU-Abgeordneten Ingo Schmitt (CDU) bezeichneten sie diese Absicht als unverantwortlich. Frau Roth-Behrendt sagte damals, "dass die Flughafengesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund sowie insbesondere die Flughafengesellschaft FBS billigend in Kauf nähmen, dass die Tempelhofer Airlines im Fall der Stilllegung Tempelhofs aus Berlin abwandern wollten, sei wirtschaftlich gesehen leichtfertig."
(Berliner Morgenpost vom 03.04.2004)

Ex-Lufthansa-Vorstandsmitglied fordert Senat zur Offenhaltung von Tempelhof auf
Auf einer IHK-Veranstaltung im Frühjahr 2008 hat das ehemalige Vorstandsmitglied der Lufthansa AG, Hemjö Klein, den Berliner Senat aufgefordert, den Flughafen Tempelhof "wenigstens bis zur Eröffnung des neuen Single-Airports BBI offen zu halten. Berlin werde bei einer Schleißung um eine Zukunftsvision betrogen. Es gäbe keinen nachvollziehbaren Grund, den City-Airport vorzeitig zu schließen. Die Zeit bis zur Inbetriebnahme des BBI solle genutzt werden, um die Anforderungen der künftigen Flughafeninfrastruktur zu prüfen." Und weiter: "Für Tempelhof zu plädieren ist nicht Nostalgie sondern Zukunftsorientierung."
(Quelle: roger Luftfahrtnachrichten für Berlin und Brandenburg, März 2008, S. 9)

 
Eine Entscheidung gegen Tempelhof ist ein Votum gegen den Standort BRD“
Mit diesen Worten wird der Geschäftsführer der Baukammer Berlin, Peter Traichel, in der Berliner Morgenpost vom 28.07.2004 zitiert.
Gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat sich die Baukammer zu wiederholten Malen für die Offenhaltung des Flughafens Tempelhof ausgesprochen.
Zu dieser Zeit hatten die privaten Luftlinien Germania, Windrose und Cirrus dem Senat angeboten, den Flughafen auf eigene Rechnung weiterzuführen. Dieses und andere Angebote wurden stets ungeprüft von den zuständigen Senatsverwaltungen abgelehnt.

 
Bundeskanzlerin Angela Merkel plädiert für Tempelhof

In einem Interview mit der „Berliner Morgenpost““ vom 23.04.2008 bezieht die Bundeskanzlerin eindeutig Stellung für die Offenhaltung Tempelhofs.

„Der Erhalt von Tempelhof wäre für das Geschäftsleben, die Schaffung von Arbeitsplätzen und für die Entwicklung Berlins insgesamt von großem Interesse. Als Parteivorsitzende unterstütze ich deshalb die Aktion der Berliner CDU für den Erhalt des Flughafens Tempelhof voll und ganz. Natürlich unterstütze ich gleichzeitig mit Nachdruck wie alle den Ausbau des berlin-brandenburgischen Flughafens in Schönefeld.“

Eine einzige Frage:

Frau Bundeskanzlerin, warum haben Sie die Sache "Tempelhof" nicht zur Chefsache gemacht? Die Möglichkeit dazu hatten Sie und haben Sie immer noch!

 

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