Das "Haus der Zukunft" in Tempelhof?

Der Präsident der Max-Planck-Gesellscahft, Peter Gruss, hat den Vorschlag gemacht, den Flughafen Tempelhof für ein Wissenschaftszentrum von überregionaler Bedeutung zu nutzen, das neue Technologien publikumswirksam präsentiert. "Die Deutschen exportieren High-Tech-Produkte in alle Welt. Wenn es aber um neue Technologien geht, ist die Mehrheit skeptisch." Ursache dafür sei vor allem "mangelndes Wissen in den Naturwissenschaften" , so wird Gruss in der "WirtschaftsWoche" zitiert.

Mit seinem Vorschlag bezieht sich Peter Gruss  auf einen Satz aus der Koalitionsvereinbarung von CDU. CSU und FDP. Auf der Seite 65 heißt es:

"Wir wollen unter wissenschaftlicher Leitung und mit Unterstützung der Wirtschaft in der Hauptstadt ein "Haus der Zukunft" schaffen, in dem sich Deutschland als Wissensgesellschaft und Innovationstreiber präsentiert, und die Forschungsmuseen stärken."

Einen Standort haben die Koalitionäre nicht benannt. Nach Aussagen der BIM (Berliner Immobilienmanagement) sind erst 40 % der vorhandenen Fläche vermietet. Rund 80.000 qm Fläche sind noch frei.

Als Exponate wären beispielsweise vorstellbar:

  • begehbare Körperzellen, in denen man erleben kann, wie Proteine funktionieren
  • eine Show, in der neueste Erkenntnisse zum Urknall gezeigt werden
  • die Rolle  der Mobilität in der Zukunft.

Ein veritabler Vorschlag.

Die Reaktion des Berliner Senats: bislang keine!

Bundesrechnungshof soll umstrittene Vermietung an Modemesse prüfen

Bundesregierung wurde erst nach Vertragsabschluss mit „Bread&Butter“ informiert

22.04.09  Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Berliner FDP-Abgeordneten Löning und Königshaus vom 27.02.2009 nach den Einzelheiten zur Vermietung des Flughafengebäudes an die Modemesse „Bread&Butter“ geht hervor,

dass

-         die Bundesregierung, vertreten durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) voll und ganz mit der Entscheidung der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) einverstanden ist

-         die Bundesregierung aber erst nach Abschluss des Mietvertrages über den Vorgang informiert worden ist

-         die Bundesregierung nicht darüber informiert war, dass  nicht der vertragliche Geschäftsbesorger der  Bundesanstalt – das ist die BIM  - sondern der Regierende Bürgermeister von Berlin die Federführung bei der Vertragsgestaltung übernommen hatte.

Fazit: Aus der Antwort geht hervor, dass die Bundesregierung in keiner Weise in die Vertragsverhandlungen einbezogen war, obgleich sie immer noch 83 % des Flughafengebäudes besitzt.

Der Verkauf der Anteile am Objekt Flughafen Tempelhof, der eigentlich zum Schließungstermin am 30.10.2008  erfolgen sollte, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt immer noch nicht vollzogen.  Aus den Antworten (hier auf Frage 15) geht hervor, dass die Bundesregierung Ende Februar mit einem baldigen Vertragsabschluss gerechnet hat. An anderer Stelle (Frage 16) wird aber deutlich,  dass der Mietvertrag mit der Modemesse „Bread&Butter“ ein Sonderkündigungsrecht zugunsten der Bundesanstalt (Bima) enthält, falls die Liegenschaft Flughafen Tempelhof an einen Dritten verkauft wird. Dann kann die Bima der Mietvertrag nach fünf Jahren auflösen! 

Die Modemesse blockiert also mindestens für fünf Jahre für jeweils zwei Monate pro Jahr die Fläche von 60.000 qm! Kauft das land Berlin die Liegenschaft, dann sind es mindestens 10 Jahre!

Diese Auskünfte hat der Berliner FDP-Abgeordnete Hellmuth Königshaus zum Anlass genommen, den Bundesrechnungshof um Prüfung zu bitten, da diese Informationen „auf eine Verschwendung von Steuergeldern in Millionenhöhe hindeuten“ (Der Steuerzahler, April.2009)

 

"Sei Poet, sei Prolet, sei Berlin"

Mit diesem Slogan hat die Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-
Reyer, die Immobilie „Flughafen Tempelhof“ auf der Internationalen Immobilienmesse „Mipim“ in Cannes im März 2008 präsentiert. Sie hat den internationalen Investoren versichert, dass der „ehemalige Zentralflughafen Tempelhof“ ab 1. November 2008 an planungsrechtlich kein Flughafen mehr sein werde. Ein neues Stadtquartier ist geplant, mit tausenden von neuen Wohnungen und Arbeitsstätten..“

Nachzulesen in der FAZ vom 28. März 2008, S. 45

Das ist nun auch ein Irrtum. Noch laufen zwei Klagen gegen die Entwidmung, über die erst im Dezember 2008 weiter verhandelt wird.

Gerd Appenzeller, Chefredakteur beim "Tagesspiegel" zur Schließung und Nachnutzung

"Für viele Berliner ist heute ein trauriger Tag. Der Flughafen Tempelhof wird geschlossen. Dass dies ohne Not und Zwang jetzt und nicht erst in vier Jahren geschieht, lässt bei so manchem die Trauer in Wut umschlagen. Wut über einen Senat, der nicht das Notwendige mit Augenmaß tut, sondern durch schneidiges Auftreten eigene Ratlosigkeit zu übertünchen versucht. Die Schließung jetzt ist juristisch unnötig, finanziell ein Desaster, politisch eine Dummheit. Der Bund war bereit, bis 2012, wenn der neue große Flughafen BBI den Betrieb aufnimmt, die Kosten für die Offenhaltung Tempelhofs zu tragen. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes, das den Weg für den Bau von BBI frei machte, ließ den Weiterbetrieb in Tempelhof bis dahin ausdrücklich zu."
"Was nicht nur die Berliner heute aber am meisten bewegt, ist die Frage: Wie geht es weiter mit Tempelhof? Die Anwohner haben weniger Sehnsucht nach dem Dröhnen der Motoren als Angst vor einer riesigen Brache, die zur Müllhalde und zum Tummelplatz Krimineller verkommt. Die viele Hektar große zentrale Rasenfläche steht für Überbauung ohnedies nicht zur Verfügung. Sie ist die "grüne Lunge", die sich mit Rücksicht auf das Stadtklima jeder planerischen Verdichtung entzieht. Was aber geschieht an den Rändern? Wohnbebauung hat hier eine Zukunft, wenn Berlin nicht nur für einige wenige Superreiche, sondern auch für Familien wieder eine attraktive Stadt sein will."

Nachzulesen im "Tagesspiegel" vom 31.10.2008

Am Rollfeld

aufgenommen am 06.07.2009

F.C.Ludwig

Berlin braucht keine Luxusklinik für Reiche - richtig! Berlin hat sie längst

Berlin hat eine weltweit bekannte und anerkannte Universitätsklinik: die Charitè. Den Berlinern sind ihre vier Standorte in Mitte, Buch, Steglitz und Wedding bekannt. Aber nicht jeder kennt den Service für Internationale Patienten. Unter www.charite.de finden Sie das Serviceangebot in vier Sprachen: Deutsch, Englisch, Russisch und Arabisch.

Ein Auszug:

Herzlich. Kompetent. Aufmerksam.
Das internationale Charité Service-Team
In der Charité dreht sich alles um die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Patienten. Persönliche Beratung und verständliche Informationen liegen uns ebenso am  Herzen wie eine individuelle Patientenbetreuung. Dabei geht unser international besetztes Ärzte-, Schwestern und Pfleger-Team selbstverständlich auf die interkulturellen Gewohnheiten und konfessionellen Ausrichtungen ausländischer Patienten ein.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Dieser Hinweis richtet sich in keiner Weise gegen die Spezialabteilung im Campus Virchow im Wedding, sondern soll nur als Hinweis auf die Art der Argumentation gegen das Nutzungsangebot der Investoren Lauder/Lauchhammer in Verbindung mit der Deutschen Bahn AG sein.

Übrigens, die Internationalen Patienten können auch einen besonderen Service nutzen:
Flughafen-Transfer
Sie reisen mit dem Flugzeug an? Nutzen Sie unseren Shuttle-Service für Patienten, er bringt Sie bequem und sicher vom Flughafen in die Charité.

Und diese Patienten sind sicherlich am GAT in Tempelhof gelandet.

Tempelhofer Feld wieder im Angebot auf der Mipim in Cannes

Junge-Reyer bietet erneut die 360 Hektar Ex-Flughafengelände zum Verkauf

Nachdem im März 2008 in Cannes das als "Sahnehäubchen" gepriesene Angebot "Flughafen Tempelhof" keinen Interessenten fand, soll es nun im Jahr 2010 erneut versucht werden.

So meldet es die FAZ vom 12.03.2010. "Die Mipim ist eine gute Gelegenheit, sich den internationalen Investoren zu präsentieren", wird Frau Junge-Reyer dort zitiert.

Wie verhält es sich das aber mit den vorangegangenen Planungen, Ausschreibungen, den vielen Millionen, die für die Internationale Gartenschau, die Vorbereitungen für die Internationale Bauausstellung und vieles andere mehr bereits ausgegeben wurden bzw. im Haushalt eingeplant werden? Das wird der Steuerzahler wohl nicht erfahren.

Interessant in diesem Zusammenhang sind die Recherchen, die die Akteure von "Reclaim Tempelhof" zusammengestellt haben. Unter http://de.indymedia.org/2010/03/274820.shtml finden sich detaillierte Hinweise auf die geplanten Aktivitäten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.  In der Broschüre der Senatsverwaltung anlässlich der ILA-Bewerbung verkündet Frau Junge-Reyer:

"Die IGA 2017 wird ein Schlüsselprojekt für die künftige Entwicklung auf dem Tempelhofer Feld sein. Sie bietet die Chance, eine ohnehin erforderliche Entwicklung der Parklandschaft Tempelhofer Feld einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und den Standort Berlin noch grüner und attraktiver werden zu lassen.

Wir möchten Sie in unserer Bewerbung mitnehmen auf eine spannende Reise durch die IGA-Landschaft im Jahre 2017 und hoffen, Sie damit überzeugen und begeistern zu können."

Berlin hat den Zuschlag erhalten, denn es gab keinen Konkurrenten mehr. Nun will Frau Junge-Reyer aber doch wieder das Tempelhofer Feld  Investoren andienen. Wie passt das alles zusammen? Was soll der Steuerzahler noch alles finanzieren?

 

112 Millionen für das Tempelhofer Feld

Die Internationale Gartenbauausstellung 2017 verändert Tempelhof und ganz Berlin

Planungen, Wettbewerbe, Bürgerbefragungen gehen weiter und noch ein Parklandschaftswettbewerb im Februar 2010

Was ist nun eigentlich los mit all den Projekten, Wettbewerben, Ausschreibungen und Befragungen in Sachen Nachnutzung für den Flughafen Tempelhof?

Nach heftiger Kritik unterschiedlicher Berliner Interessengruppen am Berliner Senat  wegen fehlender Konzeptionen für die Nachnutzung des ehemaligen Flughafens Tempelhof kommt im Juli 2009 - acht Monate nach der Schließung des Flughafens - die Meldung, eine externe Trägergesellschaft soll nun

  • klären, unter welchen Bedingungen das Gelände schrittweise für eine neue Nutzung geöffnet werden kann und
  • Konzepte für die weitere Nutzung des Areals erarbeiten.

Für diese Aufgabe stehen vorerst ein Zeitraum von sechs Monaten und 700 000 EUR aus der Landeskasse zur Verfügung.

Bei der sog. "externen Trägergesellschaft" handelt es sich um  die Adlershof Projekt GmbH, eine Tochter der landeseigenen Firma Wista, die den Wissenschaftsstandort und Technologiepark Adlershof entwickelt und betreibt. (Tagesspiegel vom 01.07.2009)

Ein Jahr zuvor hatte aber die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bereits die Bewerbung um die Ausrichtung des Internationalen Gartenbauausstellung (IGA)  2017 abgegeben. Wie man sich das Tempelhofer Feld  vorstellt, kann man sich in einem Video der Senatsverwaltung anschauen. Klicken Sie auf den Link:  " Ein Park entsteht"

Interessant sind auch die diversen Unterstützer! Da finden sich die Bezirksämter Neukölln und Schöneberg-Tempelhof, die diversen landeseigenen Unternehmen - natürlich auch Adlershof Projekt GmbH - und neben den beiden Universitäten FU und TU diverse Gruppierungen aus dem Bereich Landschafts- und Gartenbau!

Nun hat das Land Berlin den Zuschlag für die Ausrichtung der IGA 2017 bekommen. Der einzige Mitbewerber, die Stadt Aachen, hatte aus finanziellen Gründen einen Rückzieher gemacht.

Wie der Tagesspiegel berichtet, sollen die Blütenträume 13,5 Millionen EUR kosten. Weitere 37 Mio. sollen "durch Eintrittsgelder, Vermietungen und Konzessionen auf dem IGA-Gelände sowie dem Verkauf von Merchandising-Artikeln finanziert werden."  Das heißt, die Durchführung der IGA wird  das Land Berlin 50.5 Mio. EUR kosten.

Da für die IGA aber nur 107 Hektar des Tempelhofer Feldes im nördlichen Bereich genutzt werden, sollen auf den südlich der Landebahnen  verbleibenden rd. 143 Hektar noch einmal 61,5 Mio. EUR für einen weiteren Park, der Erweiterungskulisse für die IGA investiert werden.

Das Land Berlin stellt also für die Umgestaltung des Tempelhofer Feldes 112 Millionen EUR zur Verfügung. Und damit dieses Geld richtig investiert wird, wird im Frühjahr kommenden Jahres eine

"IGA-Berlin 2017 Durchführungsgesellschaft" gegründet.

Diese Informationen gab die Senatorin für Stadtentwicklung auf einer Pressekonferenz am 23.11.2009 bekannt. Zu der Bewerbung um die Ausrichtung einer Internationalen Bauausstellung - das Lieblingsprojekt der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher - und weitere bereits vorliegende Planungen zu den Randbebauungen wie Stadtquartier Tempelhof, Stadtquartier Neukölln und Columbia-Quartier war nichts zu erfahren. Nur die Ansiedlung der von Herrn Wowereit gewünschten Landesbibliothek werde von der Verwaltung "geprüft".

Das neue Spiel um die Nachnutzung

 

 

 

Am Vorfeld

aufgenommen: 02.05.2009

F.G. Ludwig

Vom Wiesenmeer mit und ohne Randbebauung  über ein europäisches Umwelttechnologiezentrum, einen Vergnügungspark mit Rotlichteinlagen und anderen mehr oder weniger einfallsreichen Nutzungen des Flughafens Tempelhof wurde diskutiert. Frau Senatorin Junge-Reyer und ihre Senatsbaudirektorin Frau Lüscher haben sich sehr um Lösungen bemüht. Doch einer brachte dann die Lösung! Unser Regierender Bürgermeister!

Hatten Sie sich etwa an den vielen Aufrufen zur Mitgestaltung beteiligt, etwa bei der Online-Befragung oder gar am „Call for Ideas“? Ärgern Sie sich nicht! Sehen Sie es sportlich oder spielerisch! Hier finden Sie das neue „Mensch ärgere Dich nicht“- Spiel. Viel Spaß dabei! Sollten Sie Details wünschen, schauen Sie auf dieser Seite nach!

Ach so, ja, es wurden nur die wesentlichen Vorschläge und Ideen ausgewählt. Für alle hätte der Platz nicht gereicht!

Für eine Modemesse müssen solide Firmen weichen - Tempelhof-Mieter erhielten Kündigungen

Bread&Butter heißt die Lösung für den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit!

Für zwei Monate im Jahr werden rd. 60.000 qm Fläche des Flughafens Tempelhof, das sind die Haupthalle, alle Hangars und das Vorfeld vermietet - und das für zehn Jahre mit  einer Option für weitere zehn Jahre.

Vergessen sind die diversen Wettbewerbe, zuletzt der "Call for Ideas", für den  insgesamt 61 vollständige Projektvorschläge eingereicht worden sind - nachzulesen auf der Website der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Doch dann war alles umsonst, der Vertrag mit Bread&Butter  wurde geschlossen. Aber keiner weiß genau mit welcher Bread&Butter-Firma: mit der Bread&Butter-Holding? Oder mit einem der Tochterunternehmen "Bread&Butter Real Estate" oder "Bread&Butter Berlin GmbH"? Der "Tagesspiegel" vermutet, dass die Holding der Vertragspartner ist, denn die beiden Tochterunternehmen sind nach den Bilanzen von 2007 überschuldet. Und der Europolitan schreibt im Januar 2007 auch nicht gerade Vielversprechendes über  die Modemesse "Bread&Butter".

Dafür müssen alt eingesessene und bewährte Firmen wie die LTI Worldwide Express GmbH , über die  auf der Website von Berlin Partner GmbH, deren Aufsichtsratvorsitzender Wirtschaftsenator Harald Wolf ist, zu lesen steht:

"Mit LTI Worldwide Express hat Berlin einen erstklassigen und kompetenten weltweiten Kurierdienst und Spezialtransporteur für knifflige Aufgaben in einem,  genau im Zentrum von Berlin."

Am 23.12.2008 erhielt die Firma per Boten die Kündigung zum 30.03.2009. Die Firma ist seit 14 Jahren in Tempelhof ansässig!

Ein anderes Beispiel: Hangar 2, das ist die Event Center Tempelhof (ECT) Airport GmbH, die bereits seit dem Jahr 2000 diverse Veranstaltungen nach Tempelhof geholt hat, darunter auch die "ADC Award Show" im April 2009.  Dieses Ereignis holt die Spitzengruppe der Kreativwirtschaft  nach Berlin.

Geschäftsführer Andreas Grunszky, der im Jahr 2003 zusätzlich  den Hangar 1 mieten wollte, hatte sich ebenfalls beim "Call for Ideas" beworben. Zur Verdeutlichung des wirtschaftlichen Nutzens seines Unternehmens für Berlin hat er eine Studie durch die Unternehmensberatung ghh consult in Auftrag gegeben. Danach haben im Jahr 2007 die 63 Veranstaltungen der ECT 73.000 Personen nach Tempelhof geholt. Durch ihren Aufenthalt in  Berlin konnte ein Gesamterlös von 48.9 Millionen Euro in Hotellerie, Transportwesen und Einzelhandel erwirtschaftet werden. Nun droht das Aus. Das Unternehmen benötigt den Hangar 2 zwölf Monate im Jahr, nicht nur zehn! (Berliner Morgenpost)

Auch der Glaserei Glück&Franke, die seit über 20 Jahren einen Hangar nutzt, erhielt die Kündigung.

Kann man für einen derartig langen Zeitraum auf eine Modemesse setzen und dabei auf solvente Mieter  verzichten? Wer hätte noch im vergangenen Jahr gedacht, dass die Computermesse Cebit ein Viertel ihrer Aussteller verlieren wird. So meldet es aber der Veranstalter, die Deutsche Messe AG (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21.02.2009, S. 9)

 

Was wird nun aus dem Flughafen Tempelhof?

Seit Ende der 90-iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts  werden Planungen für die Nachnutzung des Flughafen Tempelhofs vorgestellt. Dabei muss berücksichtigt werden, dass es sich zum einen um das Flughafengebäude und zum anderen um das 386 ha große Flugfeld handelt, deren Nutzungsmöglichkeiten aus unterschiedlichen Gründen  belastet sind. So sind die Bereiche der Landebahnen kerosinbelastet. Es ist auch bekannt, dass nach der Übernahme des Flughafens durch die Amerikaner bei den Aufräumarbeiten Metall- und andere Abfälle auf den Freiflächen vergraben worden sind.

Das Flughafengebäude:
Dabei handelt  es sich um das drittgrößte Gebäude der Welt mit einer Nutzfläche von 284 000 Quadratmeter. Es gliedert sich in diverse Bauteile mit unterschiedlichen Funktionen wie z.B. Hangars oder Verwaltungsgebäude.
Das gesamte Ensemble steht unter Denkmalschutz. Die Aussagen über den baulichen Zustand sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von den sich im Rohbau befindlichen Treppentürmen über stark abgenutzte Büroräume bis zu der Beschreibung:

„Die Bausubstanz ist durch kontinuierliche Pflege in einem brauchbaren Zustand ohne schwerwiegende konstruktive Mängel. Jedoch lässt der umfangreiche Leerstand einen zunehmenden Instandhaltungsrückstau entstehen. Große Teile des im Zuge von Umbauten eingebrachten Nutzerausbaus bedürfen umfänglicher Erneuerung.“
Aus: Baufachliche Einschätzung aus dem Projektaufruf Tempelhof der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher.

www.projektaufruf-tempelhof.de

 
Das Flugfeld:
Das Flugfeld – auch als Tempelhofer Feld oder Tempelhofer Freiheit in den diversen Planungen bezeichnet – ist mit Altlasten in unbekanntem Umfang behaftet. Das betrifft nicht nur die Rollbahnen, sondern auch vergrabenen Schutt und Müll in unbekannter Zusammensetzung und Menge.
Das Flugfeld hat aber auch eine  wichtige  klimatische Funktion. Die Flurwinde, die über die riesige Freifläche streichen, kühlen das Klima in den heißen Sommernächten beträchtlich ab. Mehr dazu kann man auf der Website der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nachlesen.
Auf dem Flugfeld hat sich auch die unter Naturschutz stehende Feldlerche angesiedelt. Als Bodenbrüter wird ihr Lebensraum bei einer anderen Nutzung des Flugfeldes zerstört werden.
Bis heute ist unklar, wie Gebäude und Gelände in Zukunft genutzt werden sollen. Fast täglich erscheinen neue Vorschläge. Zur Zeit laufen zwei Wettbewerbe:
Die „Prozessuale Stadtentwicklung Tempelhofer Feld – Columbiaquartier“ und „Projektaufruf – Flughafengebäude Tempelhof“.

Die Planungen der Vergangenheit finden Sie in tabellarischer Übersicht hier.

Sie finden aber auch eine Tabelle, die die verhinderten Nutzungsangebote verschiedener Investoren aufzeigt.

Dazu noch ein Hinweis: Als die amerikanischen Investoren Lauder und Lauchhammer ihr Angebot zur Errichtung eines internationalen Gesundheits- und Tageszentrums unterbreiteten, wurde es u.a. mit den Worten „Den reichen Onkel aus Amerika brauchen wir nicht“ und „Wir brauchen keine Klinik nur für Reiche“ abgelehnt. Aber die „Klinik nur für Reiche“ haben wir bereits: In der Berliner Charité, Campus Virchow Klinikum. Unter www.charite.de  finden Sie die exklusiven Angebote für Internationale Patienten . Die Informationen zu diesem Service werden in den Sprachen: Deutsch, Englisch, Russisch und Arabisch angeboten.

Wer irrt sich hier?

Der Berliner Senat, der

  • trotz langer Jahre Planungszeit und mehrfacher Schließungstermine noch immer kein Konzept für die Nutzung des Flughafens Tempelhof hat?
  • trotz des Vermarktungsversuches auf der Internationalen Immobilienmesse in Cannes im Frühjahr 2008 immer noch nach Investoren sucht, obwohl das Land Berlin die Anteile der Bundesregierung  am Flughafen Tempelhof erst noch käuflich erwerben muss?
  • trotz ausreichender Vorbereitungszeit noch kein Baurecht für das Flughafengelände beantragt hat, was ca. 4 Jahre in Anspruch nehmen wird?

Die Bundesregierung, die

  • als Miteigentümerin verschiedene Versuche machte, den Flughafen bis zur Inbetriebnahme von BBI offen zu halten?
  • nach den Verhandlungen zur Hauptstadtfinanzierung und der Sondervereinbarung über den Verkauf der Anteile am Flughafen im Herbst 2007 Gewinn aus der Nachnutzung  des Flughafengeländes zu erwirtschaften glaubt?

Die Berliner Steuerzahler, die

  • sich über den Abschied vom Millionengrab Flughafen Tempelhof und  auf ein riesiges Wiesenmeer oder einen Softballplatz oder Golfplatz  gefreut haben?
  • glaubten, eine „Klinik nur für Reiche“ wäre für Berlin nicht notwendig, obwohl eine derartige Klinik längst vorhanden ist?
  • Die vielen Berliner und Berlinerinnen, die am Online-Wettbewerb der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung teilgenommen, viele Ideen und viel Zeit eingesetzt  haben und nun feststellen, dass es neue Wettbewerbe gibt, an denen sie nicht mehr beteiligt sind?

Nach oben